Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich nicht um einen Artikel, den Evola für irgendein Presseorgan verfasste, sondern um einen Teil des 1. Kapitel seiner "Skandalschrift" >Pagan Imperialismo< (1928), welche 1933 in dt. Sprache vom Leipziger Armanenverlag veröffentlicht wurde, wo zuvor auch schon Ernst Kriecks Buch >Nationalpolitische Erziehung< erschienen war.

                  

                                       Wir heidnischen Imperialisten

                                                                       von Julius Evola

Der Kreis schließt sich, und dasjenige, was ein antiker Mythos – erst iranisch, bevor er jüdisch wurde – in der apokalyptischen Bezeichnung des “Jüngsten Gerichtes” gibt, drängt sich uns auf: die Scheidung der “Auserwählten” von denen, die am Ende der “Welt”, d.h. unserer Welt, unserer Kultur, umkommen werden.

Wir rufen auf zu einer entschlossenen, bedingungslosen, integralen Rückkehr zur nordisch-heidnischen Tradition. Wir machen Schluß mit jedem Kompromiß, jeder Schwäche, jeder Nachsicht gegenüber allem, was, von der semitisch-christlichen Wurzel herkommend, unser Blut und unseren Verstand infiziert hat.

Ohne Rückkehr zu dieser Tradition gibt es keine Befreiung, keinen wahren Wiederaufbau, ist die Bekehrung zu den wahren Werten des Geistes, der Macht, der Hierarchie und des Imperiums nicht möglich. Das ist die Wahrheit, die keinen Zweifel erlaubt. Anti-Europa, Anti-Semitismus, Anti-Christianismus – das ist unsere Losung.

Der tollste Wahnwitz ist der, der Heidentum und Materialismus und Korruption gleichsetzt und dagegen das, was eine exotische, anti-arische Religion bei unserem Niedergang geschaffen hat, als reinste und ausschließliche Synthese alles Geistigen ausgibt, als sei ihr gleichsam die ganze Kulturgeschichte vorbestimmt gewesen.

Und wie fest und tief sitzt dieser Aberglaube noch in der heutigen “Gelehrten”-Mentalität! Nein: den lebendigen und immanenten Geist, den tätigen Geist als außermenschliche Weisheit und Macht, als Ruhm von Königen und Siegern – ihn kannte nicht die semitische Befleckung, ihn kannte unser Heidentum, unsere Tradition inmitten des großen Völkergewoges, das ihn vom Norden nach dem Süden, vom Abendland nach dem Morgenland trug: und wer sich heute gegen das europäische Übel und gegen die europäische Religion erhebt, der ist kein Verneiner, sondern ein Bejaher – der einzige, der weiß, was Bejahung heißt.

So bekennen wir uns also heute zur nordisch-heidnischen Tradition und rufen auf zur Wiederherstellung ihrer Werte in einem heidnischen Imperialismus. Die Person dessen, der spricht, und derer, die sich in der gleichen geistigen Realität sonst noch zu ihm gesellen – isoliert, standhaft und unverbesserlich aristokratisch in dieser Welt von Händlern, Gefangenen und Verirrten -, tritt zurück hinter der Realität, die durch jene an die ungebrochenen und Unbesiegten Europas sich wendet, an diejenigen, die noch Widerstand leisten, an diejenigen, denen das Morgen gehört.

Begreift man, daß es sich nicht um Worte, um Utopien, um romantische Abstraktionen handelt, sondern um die positivste und mächtigste aller Realitäten, die darauf wartet, durch Wesen auferweckt zu werden, die entschlossen sind zu allem, durch eine Aktion, der gegenüber alles, was für die meisten das Wort “Reaktion” bedeuten kann, zu nichts wird?

Daß sich tausend Kräfte im Zwielicht drängen und nur auf den warten, der ihnen zur Befreiung verhilft? Unsere Tradition mit irgendeiner der neuen Pseudo- oder Sondertraditionen zu verwechseln oder mit irgendeiner der neuen abendländischen Glaubensformen, die unvermeidlich vom semitischen Geist angesteckt sind, wäre der absurdeste Irrtum.

Die Urkräfte unserer Rasse stellen uns heute, in dieser entscheidenden Phase für die Geschichte des Abendlandes, zum letzten Male vor das Dilemma: Treue oder Verrat. Unsere Restauration ist ein leerer Name, wenn sie nicht vor allem “solare” Restauration ist, Restauration der heidnischen Geistigkeit.

Es wäre ein handgreiflicher Widerspruch, zur Verteidigung der nordischen oder der römischen Tradition aufrufen zu wollen und sich nicht der Kräfte zu erinnern, die mehr als alle anderen zum Verfall dieser Traditionen beigetragen haben; das Ideal des Imperiums zu beschwören und nicht zu gewahren, daß das ganze semitisch-christliche Weltbild, seiner Maske entblößt, die Verneinung der geistigen Voraussetzung für das Imperium bedeutet. Jenseits jedes zufälligen Zwecks, jedes empirischen Interesses, jeder Leidenschaft und jeder persönlichen oder parteilichen Gebundenheit – wer von denen, die auf deutschem und römischem Boden zur Erhebung bereit sind, ist mutig genug, die Fackel der nordisch- heidnischen Tradition weiterzutragen?

Wir rufen auf, weil wir aufrufen müssen. Wir selbst haben weder zu hoffen, noch zu verzweifeln. Was ist, kann nicht entstellt werden von dem, was nicht ist. Die Werte, für die wir uns einsetzten, sind. Daß sich Umstände und Menschen finden, durch die ihnen ermöglicht wird, einer bestimmten Periode in der Zufälligkeit der zeitlichen und vergänglichen Dinge auch Form und Inhalt zu geben, ist in Wirklichkeit etwas, das weniger uns als diejenigen angehen muß, deren Wahrheit vor dieser Zufälligkeit haltmacht.

(Julius Evola, >Heidnischer Imperialismu<, Armanenverlag 1933, Kap. 1.4)